Große regionale Unterschiede bei Getreideernte in Oberösterreich

Maßnahmen gegen Spätfrost im Obstbau zeigen Wirkung - Gemüse leidet unter Trockenheit.

Wien, 25. Juli 2017 (aiz.info). - Die Getreide- und Maisernte wird weltweit heuer erstmals seit vier Jahren den globalen Bedarf nicht decken. Momentan geht man von einer Unterdeckung von etwa 30 Mio. t aus. "Die Getreideernte ist in Oberösterreich - im Gegensatz zum Osten des Bundesgebietes - zufriedenstellend. Bundesweit liegt das Ergebnis um 25% unter dem Vorjahr und deutlich unter dem Fünf-Jahres-Schnitt. Auch in Oberösterreich traten große Unterschiede bei der Niederschlagsversorgung auf, sodass es bei Getreide und vor allem auch im Grünland zu großen regionalen Unterschieden kam", erläutert Franz Reisecker, Präsident der Landwirtschaftskammer OÖ. "Daran sieht man, wie verwundbar die Landwirtschaft beziehungsweise der Pflanzenbau ist. Bei aller Problematik durch den Klimawandel sind wir froh, dass es heute einen viel umfassenderen Versicherungsschutz gibt", so der Präsident.

Oberösterreichs Ackerbauern haben in der laufenden Saison die Flächen für Winterweizen (-6%) und Wintergerste (-4%) zurückgefahren und jene für Sommergetreide (+5%) und Körnermais (+2%) erweitert. Deutlich fiel der Zuwachs bei Sojabohne (+27%) und Raps (+15%) aus. Der Einbruch der Kürbisfläche im Ausmaß von 66% fiel erwartungsgemäß aus, für 2017 wird aber damit gerechnet, dass sich der Markt für Kürbiskerne wieder einigermaßen konsolidiert.

Ernteergebnisse im Detail

Die Wintergerste hat mit durchwegs sehr zufriedenstellenden Erträgen für Überraschung gesorgt. Christian Krumphuber, Leiter der Abteilung Pflanzenproduktion in der LK OÖ, rechnet mit sehr guten 7,5 t/ha im Landesschnitt. "Die Trockenphase in der Abreife war rückblickend betrachtet positiv. Heterogen, aber zufriedenstellend, fällt das Fazit bei Winterweizen aus. "Die Erträge reichen von 3,5 t/ha auf Schotterböden der Welser Heide bis über 8 t/ha auf tiefgründigen, gut Wasser speichernden Böden, im Alpenvorland oder auch im Innviertel. Im Landesschnitt rechnen wir mit guten 7 t/ha. Die Qualitäten - sowohl Hektolitergewichte als auch Proteingehalte - liegen im guten Bereich. Der Überwiegende Teil der oberösterreichischen Weizenernte wird Mahlweizen sein", so Krumphuber.

Beim Raps sind in Anbetracht der für diese Kultur eher ungünstigen Abreifeverhältnisse (heiß und trocken) die Ernteergebnisse recht respektabel. Im Landesschnitt wird mit zirka 3,7 t/ha gerechnet.

Bei Mais und Sojabohne geht der LK-Experte von Totalausfällen auf extrem leichten Schotterböden - allen voran in der Welser Heide - aus.

Ertragsentgang im Wirtschaftsgrünland

Der gute Vegetationsstart beim Wirtschaftsgrünland wurde durch den Spätfrost und den Schnee in den Berglagen zunichtegemacht. Die Erträge werden als gut bewertet, sind witterungsbedingt jedoch von eher mittlerer Qualität. "Durch zu geringe Sonnenscheindauer lagen die Zuckergehalte niedrig und der optimale Anwelkgrad war nur schwierig zu erreichen. Die zweiten Aufwüchse waren durchwegs sehr zufriedenstellend. In Gebieten mit leichten Böden ist der dritte Aufwuchs, je nach Höhenlage vollkommen ausgefallen. Über den Zwischenfruchtfutterbau wird nun versucht, den Ertragsentgang zu kompensieren", erläutert Krumphuber weiter.

Frosträuchern verringerte Ertragsminderung im Obstbau

Die Spätfröste haben heuer bei den Obstkulturen maximal 20% Ertragseinbußen gegenüber Durchschnittsjahren zur Folge gehabt, was vor allem am "Frosträuchern" und Hagelnetzen sowie Regenschirmen gegen die Härte des Frostes lag. Tröpfchenbewässerungsanlagen mildern die Trockenheit.

Die Marillenernte wird sowohl hinsichtlich der Menge und der Qualität als gut bezeichnet. 2016 gab es aufgrund des strengen Spätfrostes in Oberösterreich einen Totalausfall. "Sehr positiv" lautet das Urteil über Erdbeersaison, die dank der Trockenheit und des nicht allzu heißen Wetters während der Ernte sehr gesunde Früchte hervorgebracht hat.

Beim Kernobst liegen die Ertragserwartungen im Intensivanbau 20% unter dem langjährigen Schnitt. Bei Streuobst gibt es frostbedingt höhere Ausfälle, insbesondere bei Mostbirnen.

Hitze und Trockenheit machen dem heimischen Gemüseanbau zu schaffen

Auch im Gemüsebau haben die bäuerlichen Erzeuger den Spätfrösten mit Wärmevliesen und Folien entgegengewirkt und konnten so nennenswerte Totalschäden verhindern. Unterdurchschnittliche Temperaturen, wenig Licht und überdurchschnittliche Regenmengen bremsten das Wachstum wieder ein. Die niederschlagsarmen Monate Juni und Juli setzen derzeit besonders jenen Beständen zu, auf welchen aufgrund der exponierten Lage nicht oder nicht ausreichend bewässert werden kann. Hier geht die Kammer bereits jetzt von Mindererträgen beziehungsweise Qualitätsverlusten im Ausmaß von mehr als 30% aus.

Die Spargelsaison in Oberösterreich verlief aufgrund der anhaltenden guten Nachfrage beim Ab-Hof Verkauf zufriedenstellend. Beim Salat war die Nachfrage bis etwa 10. Juni zufriedenstellend, allerdings lag sie bereits 20% unter Vorjahrespreisniveau. Die Salatpreise bewegen sich bis dato auf anhaltend niedrigem Niveau, was auf die sommerliche Witterung und das reichliche Angebot aus den Hausgärten sowie dem In- und Ausland zurückzuführen ist. Auch qualitativ beginnen die derzeit am Feld befindlichen Salatsätze unter der Hitze zu leiden.

Nicht ganz zufrieden sind die Erzeuger mit dem bisherigen Ernteverlauf beim Kohlgemüse. Die geplanten Mengen Frühkraut, Kohlrabi, Brokkoli und Karfiol konnten zwar abgesetzt werden, oftmals aber nur im Rahmen von Aktionen, das heißt die Vermarktungspreise sind bestenfalls auf durchschnittlichem Niveau. Die Anbauflächen stagnieren, weil es natürliche Konkurrenz durch Hausgärten gibt.

Aktuell sind etwa 55% der Einlegegurken für die industrielle Verarbeitung geerntet. Die Bestände entwickelten sich nach anfänglichen starken Schwierigkeiten auch durch die Vliesabdeckungen im Juni hervorragend. Allerdings kommt die Paradekultur in Oberösterreich durch die hohen Lohnnebenkosten für Saisonarbeiter und die Billigkonkurrenz aus dem Ausland derzeit stark unter Druck.

Bei Sauerkraut und Roten Rüben setzt die Trockenheit Anfang Juni den Kulturen besonders zu, da sie zumeist auf nicht bewässerbaren Flächen, am Rande oder außerhalb des Eferdinger Beckens produziert werden. Besonders die Frühsorten verzeichnen schon jetzt einen Minderertrag von 30 bis 40%.

Böden in bestem Zustand

"Unsere Bauern verstehen mit ihren Böden umzugehen. Anders wäre es nämlich nicht möglich, dass unter so kritischen Bedingungen wie heuer so gute Ernteergebnisse erzielt werden. Das heißt, dass Struktur der Böden, Wasserspeichervermögen und Humusgehalt absolut in Ordnung sind", räumte Krumphuber abschließend mit Horrormeldungen über "kaputte Böden" und "Humusschwund" auf.